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SCHREINEREI ALS GENOSSENSCHAFT

 

Schreinerzeitung am 2014-11-27
AutorIn: FM / Bilder: div.
/ S283

Nur wenige Schreinereien sind in der Schweiz als Genossenschaften organisiert. Dabei hat die Rechtsform durchaus ihre Vorteile, wenn in einem Unternehmen nicht allein der Profit im Vordergrund stehen soll.

Die Unruhen in den 80er-Jahren rund um die Reithalle in Bern waren nicht direkt der Auslöser für die Gründung der Genossenschaft Manus. Doch die zehn Initianten engagierten sich damals aktiv in der alternativen Szene von Bern. Aus dieser Bewegung heraus entstand die Idee, eine Kollektivgesellschaft zu gründen, die sich auf Schreinerei- und Bauarbeiten spezialisiert. Die Kollektivgesellschaft wurde später in eine Genossenschaft umgewandelt. Von den einstigen Gesellschaftern sind heute nur noch einzelne mit dabei, wie Walter Hollenstein, einer der Geschäftsführer, sagt. Die 12 Mitarbeitenden sind allesamt Genossenschafter mit Anteilschein und Stimmrecht an der Genossenschaftsversammlung, dem obersten Organ des Unternehmens. «Wir halten die Hierarchien bewusst flach. Die Geschäftsführung besitzt zwar gewisse Entscheidungsbefugnisse, doch schwerwiegende Beschlüsse müssen durch die Genossenschaftsversammlung getroffen werden», sagt Hollenstein. Trotzdem sei der Betrieb in der Lage, bei Bedarf schnell zu entscheiden. Ein weiteres Merkmal von Manus sei der geringe Unterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn: Die Chefs verdienen nur wenig mehr als die Angestellten. Aufgrund des politischen Hintergrunds der Genossenschaft werden zudem die Sozialleistungen hoch gehalten. Manus finanziert seinen Mitarbeitern beispielsweise einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub und doppelt die kantonalen Kinderzulagen auf.

Für Hollenstein bringt die Rechtsform der Genossenschaft den Vorteil, dass sich die Mitarbeiter stark mit dem Betrieb identifizieren. Das fördere die Solidarität untereinander, aber auch die Arbeitseinstellung und die Motivation. Als Nachteil der Genossenschaft nennt er beispielsweise den Umstand, dass der Betrieb – bei schlechter Auftragslage – aus rechtlichen Gründen keine Kurzarbeit einführen könnte.

Nachdem die Schreinerei laut Hollenstein anfänglich vor allem Kunden aus dem politisch linken Spektrum beliefert hatte, arbeitet das Manus-Team heute für Kunden aus allen Gesellschaftsschichten. «Wir haben uns schon von Beginn an die Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Das ist unter anderem ein Grund, warum sich heute auch Kunden aus anderen Gesellschaftsschichten für uns entscheiden.»

Die geteilte Verantwortung

Laut Lukas Iseli, Dozent für Wirtschaftsrecht an der Höheren Fachschule Bürgenstock, gibt es vor allem in Städten Schreinereien, die genossenschaftlich organisiert sind. «Diese Betriebe sind nicht in erster Linie gewinnorientiert, sondern handeln nach partizipativen Interessen.» Das lasse darauf schliessen, dass es sich um ein Gesellschaftsmodell von Personen handle, die in der Tendenz wohl eher dem linken politischen Spektrum zuzuordnen sind. Im Zentrum stünden Grundsätze wie die Selbst-hilfe, die ‹saubere› Herkunft des Holzes, der Umweltschutz, ganzheitliche Produktionsabläufe, ein hoher Qualitätsanspruch und soziale Faktoren. «Die Genossenschaften kennen keine Lohnexzesse und müssen – im Gegensatz etwa zu einer Aktiengesellschaft – keine externen Investoren gewinnen, um ihre Visionen zu verwirklichen, die dann als Shareholder ‹belohnt› werden wollen.»
In einer Genossenschaft haben alle Mitglieder eine Stimme und tragen damit solidarisch die Verantwortung für den Betrieb. Diese kann laut Iseli im Extremfall den Genossenschaftern auch zum Nachteil gereichen. Eine Genossenschaft könne sich nicht in gleichem Masse wie zum Beispiel eine Aktiengesellschaft am Kapitalmarkt mit Geld eindecken. Dafür bleibe aber der Betrieb unabhängig.

Mitarbeiter retten «ihre» Schreinerei

Die Rechtsform der Genossenschaft ist nicht nur etwas für Kleinbetriebe. Mit der Genossenschaft für leistungsorientiertes Bauen (GLB) in Langnau im Emmental ist auch eine der 40 grössten Schreinereien des Landes als Genossenschaft organisiert.

Deutlich kleiner ist andererseits die Schreinergenossenschaft Gemi in Erlenbach am Zürichsee. Sie wurde 1948 gegründet. «Weil die Vorgängerfirma aus finanziellen Gründen nicht mehr weitergeführt werden konnte, gründeten die betroffenen Mitarbeiter damals mit Unterstützung des Bau- und Holzarbeiterverbandes eine Genossenschaft. So war die Belegschaft in der Lage, die Liegenschaft der Schreinerei zu erwerben», erzählt der heutige Gemi-Geschäftsführer Michael Pieper. Weil die Genossenschaft schon bald Gewinn erwirtschaftete, konnte in den 60er-Jahren das vorgeschossene Kapital der Gewerkschaft zurückbezahlt werden. Heute zählt die Genossenschaft 15 Mitarbeiter und 35 Genossenschafter. Genossenschafter seien 11 der Angestellten, obwohl das nicht Bedingung für eine Anstellung sei, sagt Pieper. «Viele langjährige und auch ehemalige Angestellte besitzen bei uns Anteilscheine.»

Sogar Kunden an der Goldküste

Obwohl Gemi als Genossenschaft organisiert ist, muss der Betrieb marktwirtschaftlich arbeiten und wettbewerbsfähig sein. Ein allfälliger Gewinn wird leistungsbezogen an die Mitarbeiter verteilt. Die Genossenschaftsanteile werden verzinst. Grossen Wert legt Gemi auch auf gute Sozialleistungen, die meist über jenen des Gesamtarbeitsvertrages liegen.

«Dank der Organisationsform als Genossenschaft besteht sicher eine engere Bindung zwischen den Mitarbeitern und dem Betrieb. Trotzdem kann es zu Wechseln kommen. Da darf die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft kein Hinderungsgrund sein», sagt Pieper. Als Geschäftsführer setzt er auf flache Hierarchien. Zudem sind ihm schnelle Entscheidungsprozesse wichtig. Das sei auch bei der Anschaffung von Fahrzeugen oder Maschinen nötig. Erst bei grösseren Projekten hat die Genossenschaftsversammlung das letzte Wort. Obwohl als Genossenschaft organisiert, beliefert die Schreinerei an der Zürcher Goldküste Kunden aus dem ganzen politischen Spektrum. «Trotz des vielleicht etwas verstaubten Bildes von Genossenschaften haben wir uns bei Privatkunden, Banken und anderen Unternehmen gut positioniert», sagt Pieper.

Vertrauensbildende Wirkung

Gelten Genossenschaften wirklich als verstaubt? Nicht unbedingt, findet Lukas Iseli von der Höheren Fachschule Bürgenstock. Eine Genossenschaft wirke nach aussen in der Regel vertrauensbildend, weil ihre Mitglieder solidarisch haftbar sind. «Genossenschaften sprechen meist keine Ikea-Kunden an, sondern Auftraggeber, die wissen wollen, woher ihre Möbel und Inneneinrichtungen kommen. Sie legen Wert auf Holz aus der Region und auf Mitarbeiter, die fair behandelt werden.» Der Dozent für Wirtschaftsrecht ist überzeugt, dass sich die Genossenschaft als Gesellschaftsform auch in Zukunft behaupten wird. «Sie deckt eine Nische ab, die vor allem für kleinere Betriebe interessant ist. Eine starke Zunahme an Genossenschaften erwarte ich allerdings nicht, auch wenn die EU künftig Genossenschaften bewusst fördern will.»

www.manusbern.ch
www.glb.ch
www.gemi.ch
www.hfb.ch

FM
 

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